
Zusammenfassend:
- Der Schlüssel liegt in funktionellen Bewegungsmustern, die den Körper auf Alltagsbelastungen vorbereiten, nicht in isolierten Geräteübungen.
- Integrieren Sie unauffällige Dehnungen und bewusste Bewegungspausen direkt in Ihren Arbeitsalltag am Schreibtisch.
- Die Korrektur alltäglicher Fehlhaltungen, wie dem falschen Bücken, ist wirksamer als sporadisches Training.
- Nutzen Sie tägliche Routinen wie den Arbeitsweg oder Spaziergänge (z.B. Nordic Walking) als effektive Trainingseinheiten.
Das Ziehen im unteren Rücken nach einem langen Arbeitstag am Schreibtisch ist für viele eine nur allzu vertraute Erfahrung. Sie spüren, wie die Schultern nach vorne fallen, der Nacken steif wird und jede Bewegung eine Anstrengung darstellt. Die gängigen Ratschläge sind bekannt: „Bewegen Sie sich mehr“, „sitzen Sie gerade“ oder „legen Sie Pausen ein“. Doch obwohl diese Tipps gut gemeint sind, kratzen sie oft nur an der Oberfläche eines tieferliegenden Problems.
Die Wahrheit ist, dass unser Körper nicht primär unter dem Mangel an Bewegung leidet, sondern unter dem Verlust der *Qualität* unserer Bewegung. Stundenlanges Sitzen programmiert unseren Körper auf Inaktivität um. Es verkürzt Muskeln, schwächt andere und lässt uns die natürlichen, effizienten Bewegungsmuster verlernen, die uns eigentlich vor Schmerzen schützen sollten. Die eigentliche Ursache für Ihre Beschwerden ist also selten ein einzelner schwacher Muskel, sondern eine gestörte Zusammenarbeit ganzer Muskelketten.
Doch was wäre, wenn die Lösung nicht darin bestünde, nach der Arbeit verbissen ein Trainingsprogramm abzuspulen, sondern den Alltag selbst zur Therapie zu machen? Dieser Artikel verfolgt genau diesen Ansatz. Als Physiotherapeut zeige ich Ihnen, wie Sie Ihren Fokus von isolierten Übungen auf funktionelle Bewegungsmuster verlagern. Es geht darum, Ihren Körper wieder so zu schulen, dass er alltägliche Belastungen – vom Heben einer Getränkekiste bis zum Sprint zur U-Bahn – nicht nur bewältigt, sondern daran wächst.
Wir werden gemeinsam erforschen, warum Ihr Körper auf langes Sitzen mit Schmerz reagiert und wie Sie mit gezielten, aber unauffälligen Techniken gegensteuern können. Sie lernen, warum Training mit dem eigenen Körpergewicht oft überlegen ist und wie Sie typische Fehler vermeiden, die zu akuten Schmerzen wie einem Hexenschuss führen. Machen Sie sich bereit, Bewegung neu zu denken und Ihren Körper nachhaltig zu stärken.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Weg zu mehr Beweglichkeit und weniger Schmerzen
- Warum verkürzt langes Sitzen Ihren Hüftbeuger und zieht im unteren Rücken?
- Wie dehnen Sie Ihren Nacken unauffällig während eines Zoom-Calls?
- Geführte Geräte oder eigenes Körpergewicht: Was überträgt sich besser auf den Alltag?
- Der Fehler beim Bücken, der oft zum Hexenschuss führt, wenn die Mobilität fehlt
- Wann ist die beste Zeit für 10 Minuten Dehnen: Morgens oder vor dem Schlafengehen?
- Warum macht Stress Sie krank, obwohl Sie sich körperlich kaum bewegen?
- Motor-Unterstützung oder Muskelkraft: Was trainiert das Herz-Kreislauf-System effektiver?
- Warum ist Nordic Walking weit mehr als nur „Spazieren mit Stöcken“ für Senioren?
Warum verkürzt langes Sitzen Ihren Hüftbeuger und zieht im unteren Rücken?
Um dieses Kernproblem des Büroalltags zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die Anatomie werfen. Wenn Sie sitzen, befindet sich Ihr Hüftbeuger, insbesondere der Musculus psoas, in einer permanent angenäherten, also verkürzten Position. Dieser Muskel verbindet Ihre Lendenwirbelsäule mit dem Oberschenkel. Eine chronische Verkürzung führt dazu, dass er auch im Stehen einen konstanten Zug nach vorne auf Ihre Lendenwirbel ausübt. Dies zwingt die untere Rückenmuskulatur, permanent gegenzuhalten, um ein Hohlkreuz zu verhindern. Das Ergebnis ist eine chronische Überlastung und Verspannung im Lendenwirbelbereich – das typische Ziehen.
Gleichzeitig wird der Gegenspieler des Hüftbeugers, die Gesäßmuskulatur, durch das Sitzen inaktiv und abgeschwächt. Dieses muskuläre Ungleichgewicht ist eine der Hauptursachen für Rückenschmerzen bei Schreibtischtätern. Der Körper verliert sein natürliches Gleichgewicht, und die Wirbelsäule zahlt den Preis. Es geht also nicht nur darum, den Rücken zu stärken, sondern primär darum, dem Hüftbeuger seine ursprüngliche Länge und Flexibilität zurückzugeben und die Gesäßmuskulatur zu reaktivieren.
Schon kleine Änderungen im Alltag können helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Es geht darum, dem Körper regelmäßig die Möglichkeit zu geben, aus der sitzenden Position auszubrechen. Folgende Maßnahmen sind besonders wirksam:
- Eine Haltestelle früher aussteigen: Gehen Sie das letzte Stück zur Arbeit zu Fuß. Das aktiviert nicht nur den Kreislauf, sondern streckt auch den Hüftbeuger nach langer Fahrt.
- Dynamisches Sitzen praktizieren: Verändern Sie Ihre Sitzposition regelmäßig. Mal vorgeneigt, mal aufrecht, mal zurückgelehnt. Jede Veränderung entlastet einseitig beanspruchte Strukturen.
- Den Arbeitsplatz „ineffizient“ gestalten: Platzieren Sie Drucker, Mülleimer oder das Telefon bewusst außer direkter Reichweite. Das zwingt Sie zu kleinen, aber wichtigen Bewegungspausen.
Wie dehnen Sie Ihren Nacken unauffällig während eines Zoom-Calls?
Videokonferenzen sind zum festen Bestandteil des Arbeitslebens geworden. Doch der starre Blick auf den Bildschirm führt oft zu einer steifen und schmerzenden Nackenmuskulatur. Die gute Nachricht ist: Sie müssen nicht warten, bis die Kamera aus ist, um etwas dagegen zu tun. Es gibt eine Reihe von Mikro-Bewegungen und Dehnungen, die so subtil sind, dass Ihre Kollegen sie kaum bemerken werden, die aber einen großen Unterschied für Ihr Wohlbefinden machen.
Der Schlüssel liegt in langsamen, kontrollierten Bewegungen, die den Anschein erwecken, Sie würden sich lediglich konzentrieren oder Ihre Position leicht verändern. Statt ruckartiger Dehnungen, die Aufmerksamkeit erregen, setzen Sie auf fließende Übergänge. Das Ziel ist es, die verkrampfte Muskulatur sanft zu mobilisieren und die Durchblutung zu fördern, ohne die Besprechung zu stören.

Wie die Abbildung zeigt, lassen sich diese Übungen nahtlos in den digitalen Arbeitsalltag integrieren. Probieren Sie während Ihres nächsten Calls folgende Techniken aus:
- Sanftes Neigen: Während Sie zuhören, neigen Sie den Kopf langsam zur linken Schulter, halten kurz und wechseln dann zur rechten Seite. Ihr Blick bleibt dabei auf den Bildschirm gerichtet.
- Blick zur Seite: Drehen Sie den Kopf langsam, als würden Sie aus dem Fenster schauen, so weit es angenehm ist. Halten Sie die Position für einige Sekunden und drehen Sie dann zur anderen Seite.
- Schulterkreisen: Wenn Ihre Kamera nur Kopf und Schultern zeigt, können Sie unbemerkt die Schultern langsam nach hinten und unten kreisen lassen. Das löst Verspannungen im oberen Rücken.
- Beckenwippe: Eine unsichtbare, aber sehr effektive Übung. Verlagern Sie Ihr Gewicht langsam von einer Gesäßhälfte auf die andere. Das aktiviert die tiefe Rumpfmuskulatur und entlastet die Lendenwirbelsäule.
Geführte Geräte oder eigenes Körpergewicht: Was überträgt sich besser auf den Alltag?
Viele Menschen gehen ins Fitnessstudio, um ihre Rückenschmerzen zu bekämpfen. Sie trainieren an geführten Geräten wie der Beinpresse oder dem Latzug in der Hoffnung, stärker zu werden. Doch oft bleibt der Erfolg im Alltag aus. Der Grund dafür liegt im Konzept des funktionellen Transfers: Eine Übung ist nur so gut wie ihre Übertragbarkeit auf die Bewegungen, die wir täglich ausführen. Isolierte Übungen an Geräten haben hier einen entscheidenden Nachteil: Sie nehmen dem Körper die wichtigste Aufgabe ab – die Stabilisierung.
Training mit dem eigenen Körpergewicht, wie Kniebeugen oder Liegestütze, zwingt hingegen ganze Muskelketten zur Zusammenarbeit. Ihr Nervensystem muss lernen, die Bewegung zu koordinieren und den Rumpf zu stabilisieren. Diese Fähigkeit, die als intermuskuläre Koordination bezeichnet wird, ist genau das, was Sie benötigen, um einen schweren Gegenstand sicher vom Boden aufzuheben. Eine starke Beinpresse hilft Ihnen wenig, wenn Ihr Rumpf beim Heben einer Getränkekiste instabil ist. Eine saubere Kniebeuge hingegen schon, da sie das exakte Bewegungsmuster schult.
Die Entscheidung für funktionelles Training wird in Deutschland sogar von den Krankenkassen unterstützt. Viele zertifizierte Präventionskurse, wie Rückenschulen oder Yoga, die auf Körpergewichtsübungen basieren, werden finanziell gefördert. So bezuschusst die Barmer Gesundheitskurse mit bis zu 200 Euro pro Jahr, was den Einstieg in ein nachhaltiges Training erleichtert.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen und zeigt, warum Körpergewichtstraining für den Alltag oft die bessere Wahl ist:
| Aspekt | Geführte Geräte | Körpergewichtstraining |
|---|---|---|
| Alltagstransfer | Begrenzt – isolierte Bewegungen | Hoch – funktionale Bewegungsmuster |
| Koordination | Minimal gefordert | Intermuskuläre Koordination wird geschult |
| Propriozeption | Kaum Verbesserung | Nervensystem lernt Gefahren zu antizipieren |
| Beispiel Alltag | Beinpresse ≠ Getränkekasten heben | Kniebeuge = Getränkekasten heben |
| Kosten | Fitnessstudio-Vertrag erforderlich | Kostenlos, überall durchführbar |
Der Fehler beim Bücken, der oft zum Hexenschuss führt, wenn die Mobilität fehlt
Der Hexenschuss (Lumbago) trifft viele aus heiterem Himmel – bei einer scheinbar harmlosen Bewegung wie dem Anheben einer Tasche oder dem Binden der Schuhe. Doch der Auslöser ist selten die Bewegung selbst, sondern eine über Jahre antrainierte, ineffiziente Technik, kombiniert mit mangelnder Mobilität. Der häufigste Fehler ist das Bücken aus dem runden Rücken anstatt aus der Hüfte. Anstatt die starke Gesäß- und Beinmuskulatur zu nutzen, wird die gesamte Last von den kleinen Muskeln und den Bandscheiben der Lendenwirbelsäule getragen. Irgendwann ist diese Struktur überfordert, die Muskulatur verkrampft schlagartig zum Schutz – der Hexenschuss ist da.
Die korrekte Technik ist das sogenannte „Hüftscharnier“ (Hip Hinge). Dabei bleibt der Rücken gerade, während der Oberkörper durch eine Beugung im Hüftgelenk nach vorne geneigt wird. Stellen Sie sich vor, Sie wollen mit Ihrem Gesäß einen Knopf an der Wand hinter sich drücken. Diese Bewegung aktiviert die hintere Muskelkette (Gesäß, Oberschenkelrückseite) und schont die Lendenwirbelsäule. Es ist genau das Bewegungsmuster, das Gewichtheber nutzen, um hunderte Kilos sicher zu heben.
Interessanterweise betonen neuere Erkenntnisse, dass es weniger um ein starres „richtig“ oder „falsch“ geht. Wie die Barmer Gesundheitsinformation hervorhebt, zeigen neuere Studien, dass die Wirbelsäule an sich sehr belastbar ist. Das eigentliche Problem ist nicht die eine falsche Bewegung, sondern ein Körper, der durch mangelnde Mobilität und Kraft nicht auf diese Belastung vorbereitet ist. Ein mobiler Hüftbeuger und eine starke Rumpfmuskulatur erlauben es der Wirbelsäule, auch unkonventionelle Bewegungen ohne Schaden zu überstehen. Das Training des Hüftscharniers ist daher weniger eine starre Regel als vielmehr eine Methode, die dafür notwendige Kraft und Koordination aufzubauen.
Wann ist die beste Zeit für 10 Minuten Dehnen: Morgens oder vor dem Schlafengehen?
Die Frage nach dem perfekten Zeitpunkt für Dehnübungen ist weit verbreitet. Die Antwort aus physiotherapeutischer Sicht lautet: Es kommt darauf an, was Sie erreichen wollen. Anstatt eines starren Zeitplans sollten Sie Ihre Dehnroutine an Ihren Biorhythmus und Ihre Ziele anpassen. Morgens und abends haben unterschiedliche Effekte auf den Körper, und beide Zeitpunkte haben ihre Berechtigung in einem ganzheitlichen Beweglichkeitskonzept.
Am Morgen ist der Körper oft steif. Hier sind dynamische Dehnungen ideal. Dabei handelt es sich um fließende, federnde Bewegungen, die die Muskeln aufwecken, die Gelenke schmieren und den Kreislauf in Schwung bringen. Denken Sie an Armkreisen, Beinpendel oder sanfte Rumpfdrehungen. Das Ziel ist Aktivierung, nicht maximale Dehnung. Diese Routine bereitet den Körper auf die Belastungen des Tages vor und löst die nächtliche Steifigkeit.
Am Abend hingegen steht die Regeneration im Vordergrund. Nach einem langen Tag, insbesondere nach viel Sitzen, sind statische Dehnungen die beste Wahl. Hierbei wird eine Dehnposition für 30-60 Sekunden gehalten. Dies gibt dem Muskelgewebe und den Faszien Zeit, nachzugeben und ihre Länge wiederzuerlangen. Statisches Dehnen hilft, den Cortisolspiegel (Stresshormon) zu senken, das Nervensystem zu beruhigen und fördert somit einen erholsamen Schlaf. Der Fokus liegt hier auf Muskeln, die zur Verkürzung neigen, wie dem Hüftbeuger, der Brust- und der Nackenmuskulatur.
Eine weitere, oft übersehene, aber extrem wirksame Zeit ist direkt nach der Arbeit. Eine 10-Minuten-Routine, bevor Sie sich auf dem Sofa „festsetzen“, kann den Übergang vom Arbeits- in den Freizeitmodus markieren und verhindern, dass sich die Anspannung des Tages verfestigt. Letztendlich ist die beste Zeit die, zu der Sie die Routine auch wirklich durchführen. Konsistenz ist wichtiger als Perfektion.
Ihr Aktionsplan: Audit Ihrer persönlichen Bewegungsroutine
- Punkte der Steifheit identifizieren: Notieren Sie eine Woche lang, zu welcher Tageszeit und nach welcher Aktivität (z.B. langes Sitzen, Autofahrt) Sie die meisten Verspannungen spüren (Nacken, unterer Rücken, Hüfte).
- Bewegungs-Inventar erstellen: Listen Sie alle Ihre aktuellen Bewegungsaktivitäten auf – vom Spaziergang in der Mittagspause bis zum Fitnessstudio. Seien Sie ehrlich, wie regelmäßig diese stattfinden.
- Routine mit Zielen abgleichen: Vergleichen Sie Ihr Inventar mit Ihren Zielen. Wollen Sie morgens fitter sein? Dann integrieren Sie dynamisches Dehnen. Wollen Sie abends besser schlafen? Planen Sie statisches Dehnen ein.
- Lücken identifizieren: Wo fehlen Bewegungsmuster? Wenn Sie nur laufen, fehlt vielleicht eine Rotationsbewegung für den Rumpf. Wenn Sie nur Krafttraining machen, fehlt eventuell die gezielte Dehnung.
- Mikro-Routinen integrieren: Planen Sie eine konkrete 5-Minuten-Routine für die größte „Lücke“ in Ihrem Tag (z.B. Hüftdehnung direkt nach dem Aufstehen oder Schulterkreisen nach jeder zweiten Stunde am PC).
Warum macht Stress Sie krank, obwohl Sie sich körperlich kaum bewegen?
Rückenschmerzen sind in Deutschland ein Volksleiden. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts sind knapp zwei Drittel der Deutschen innerhalb eines Jahres von Rückenschmerzen betroffen. Während Bewegungsmangel eine offensichtliche Ursache ist, wird ein ebenso wichtiger Faktor oft unterschätzt: psychischer Stress. Termindruck, Konflikte oder private Sorgen versetzen den Körper in einen permanenten Alarmzustand. Dieser Mechanismus stammt aus der Urzeit, als der Körper sich auf „Kampf oder Flucht“ vorbereiten musste. Das Problem: Im Büroalltag folgt auf die Anspannung keine körperliche Entladung.
Unter Stress schüttet der Körper Hormone wie Cortisol und Adrenalin aus. Diese führen unter anderem zu einer unbewussten, aber dauerhaften Erhöhung der Muskelgrundspannung. Besonders die Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur ist davon betroffen – sie „wappnet“ sich förmlich. Wenn dieser Zustand über Wochen oder Monate anhält, führt die Daueranspannung zu einer verminderten Durchblutung der Muskulatur. Stoffwechselendprodukte können nicht mehr effizient abtransportiert werden, die Muskeln verhärten und es entstehen schmerzhafte Triggerpunkte.
Stress verändert auch unsere Schmerzwahrnehmung. Ein gestresstes Nervensystem ist sensibler und reagiert auf Reize, die es sonst ignorieren würde, mit einem Schmerzsignal. Eine leichte Verspannung, die Sie an einem entspannten Wochenende kaum bemerken würden, kann in einer stressigen Arbeitswoche als starker Schmerz empfunden werden. Wie die Barmer betont, hat das psychosoziale Umfeld einen erheblichen Einfluss:
Das Lebensumfeld, vor allem Arbeit und Familie, hat erheblichen Einfluss auf Rückenschmerzen. Wenn Sie mit sich selbst, Ihrer Arbeit, Ihrer Familie und Ihren Freunden zufrieden sind, werden Rückenschmerzen Sie voraussichtlich weniger beeinträchtigen.
– Barmer Gesundheitsinformation, Barmer Ratgeber Rückenübungen fürs Büro
Bewegung ist hier ein doppelt wirksames Mittel: Sie baut nicht nur Stresshormone ab, sondern löst auch muskuläre Blockaden und verbessert die Körperwahrnehmung. Wer regelmäßig Sport treibt, lernt, zwischen Anspannung und Entspannung zu unterscheiden und kann so frühzeitig gegensteuern.
Motor-Unterstützung oder Muskelkraft: Was trainiert das Herz-Kreislauf-System effektiver?
E-Bikes haben das Radfahren revolutioniert und vielen Menschen den (Wieder-)Einstieg in die Bewegung ermöglicht. Doch oft kommt die Frage auf: Ist das überhaupt richtiger Sport? Die Antwort ist ein klares „Ja, wenn man es richtig macht“. Der Schlüssel zur Effektivität liegt darin, die Motor-Unterstützung nicht als Dauer-Hilfe, sondern als strategisches Werkzeug für ein Intervalltraining zu nutzen. Anstatt mit konstanter Unterstützung gemütlich dahinzurollen, können Sie das E-Bike für ein hochintensives Intervalltraining (HIIT) nutzen, das extrem wirksam für das Herz-Kreislauf-System ist.
Die Strategie ist einfach: Nutzen Sie Phasen hoher Belastung durch reine Muskelkraft, gefolgt von aktiven Erholungsphasen mit Motor-Unterstützung. Eine bewährte Methode für eine hügelige Strecke sieht so aus:
- Bergauf: Schalten Sie den Motor aus oder auf die niedrigste Stufe. Treten Sie mit maximalem Krafteinsatz den Berg hinauf. Das bringt Puls und Atmung an die Belastungsgrenze.
- Bergab und Ebene: Schalten Sie den Motor wieder ein, um sich aktiv zu erholen. Der Puls sinkt, aber die Muskulatur bleibt in Bewegung.
- Intervalle auf der Ebene: Wechseln Sie alle zwei Minuten zwischen Fahren mit ausgeschaltetem Motor und Fahren mit Unterstützung.
Diese Methode ist deutlich effektiver als eine einstündige Fahrt mit konstanter, niedriger Belastung. Bereits 20-30 Minuten dieses HIIT-Trainings 2-3 Mal pro Woche können die Ausdauer signifikant verbessern. Es geht darum, das E-Bike als Trainingspartner zu sehen, der es Ihnen ermöglicht, Belastungsspitzen zu setzen, die Sie ohne Unterstützung vielleicht nicht erreichen oder durchhalten würden. Gleichzeitig ist es aber wichtig, Bewegung auch abseits solcher Trainingseinheiten in den Alltag zu integrieren. Ergotherapeuten empfehlen für den Büroalltag eine simple Faustregel: Eine Studie weist auf eine Verteilung von 60 Prozent Sitzen, 30 Prozent Stehen und 10 Prozent gezielter Bewegung hin. Das E-Bike kann ein hervorragender Baustein für diese 10 Prozent sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Funktionelle Bewegung, die den Alltag simuliert, ist wirksamer zur Schmerzprävention als isoliertes Gerätetraining.
- Die Integration von Bewegung in den Alltag (z.B. durch unauffällige Dehnungen, den Arbeitsweg) ist der Schlüssel zur Nachhaltigkeit, nicht die einzelne, anstrengende Sporteinheit.
- Psychischer Stress ist ein maßgeblicher Faktor für muskuläre Verspannungen und Schmerzen; Bewegung hilft beim Abbau von Stresshormonen.
Warum ist Nordic Walking weit mehr als nur „Spazieren mit Stöcken“ für Senioren?
Nordic Walking kämpft oft mit dem Image, ein gemächlicher Seniorensport zu sein. Dieses Vorurteil wird der Effektivität dieser Ganzkörper-Sportart jedoch in keiner Weise gerecht. Richtig ausgeführt, ist Nordic Walking ein hochintensives Training, das Kraft, Ausdauer und Koordination auf einzigartige Weise verbindet. Der entscheidende Unterschied zum normalen Gehen liegt im aktiven Einsatz der Stöcke. Sie dienen nicht nur als Stütze, sondern als Trainingsgerät, das den gesamten Oberkörper in die Bewegung integriert.
Durch den kraftvollen Stockeinsatz wird die Arm-, Schulter-, Brust- und Rückenmuskulatur aktiv gefordert. Das Ergebnis: Nordic Walking kann bei korrekter Technik bis zu 90 % der gesamten Körpermuskulatur aktivieren. Das sind fast doppelt so viele Muskeln wie beim normalen Walking. Dieser hohe Muskeleinsatz kurbelt den Kalorienverbrauch an und stärkt das Herz-Kreislauf-System effektiv. Gleichzeitig werden durch den Stockeinsatz die Gelenke in Knien, Hüfte und Sprunggelenken um bis zu 30 % entlastet, was die Sportart besonders für Menschen mit Gelenkproblemen oder Übergewicht ideal macht.
Für Schreibtischtäter bietet Nordic Walking den perfekten Ausgleich. Die aufrechte Haltung und die Rotationsbewegung im Oberkörper wirken der typischen nach vorne gebeugten Sitzhaltung entgegen. Es löst Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich und mobilisiert die Brustwirbelsäule. Es ist die perfekte Kombination aus funktionellem Ausdauertraining an der frischen Luft und gezielter Haltungsschulung. Um jedoch von diesen Vorteilen zu profitieren, ist die richtige Technik entscheidend. Es empfiehlt sich, einen Einführungskurs zu besuchen, um den diagonalen Bewegungsablauf und den korrekten Stockeinsatz von Anfang an richtig zu lernen.
Was beim Mobilitätstraining zählt, ist die Regelmäßigkeit! Eine Woche voller Überehrgeiz wird niemanden auch nur im Ansatz weiterbringen. Zwei bis drei kurze Einheiten pro Woche können aber auf Dauer wahre Wunder bewirken.
– Die Techniker Krankenkasse, TK Mobility Challenge
Ihre Reise zu einem beweglicheren und schmerzfreieren Alltag beginnt nicht mit einem radikalen Trainingsplan, sondern mit dem Verständnis für die Bedürfnisse Ihres Körpers und der bewussten Integration von Bewegung in jeden Aspekt Ihres Lebens. Beginnen Sie noch heute damit, einen der hier vorgestellten Ansätze in die Tat umzusetzen. Ihr Rücken wird es Ihnen danken.