Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Die wahre Ursache für schlechten Schlaf liegt nicht in vergessenen Regeln, sondern im Missverständnis der körpereigenen Signale.

  • Blaues Licht und Wärme blockieren aktiv die hormonelle Kaskade, die für den Tiefschlaf notwendig ist.
  • Gezielte Rituale und die richtige Licht- und Lärmumgebung können das Gehirn auf Regeneration „trainieren“.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich darauf, die biologischen Bedürfnisse Ihres Körpers nach Dunkelheit, Kühle und Routine zu erfüllen, anstatt nur eine Checkliste abzuarbeiten.

Sie kennen das Gefühl sicher: Sie sind körperlich erschöpft, aber Ihr Kopf kommt einfach nicht zur Ruhe. Sie wälzen sich von einer Seite auf die andere, die Gedanken kreisen und am nächsten Morgen fühlen Sie sich wie gerädert. Viele Ratgeber empfehlen dann die üblichen Maßnahmen der Schlafhygiene: ein regelmäßiger Schlafrhythmus, der Verzicht auf Koffein oder das Vermeiden üppiger Mahlzeiten am Abend. Diese Ratschläge sind zwar grundsätzlich korrekt, aber sie kratzen nur an der Oberfläche und lassen die wichtigste Frage unbeantwortet: *Warum* funktioniert das Einschlafen nicht, obwohl Sie doch alles richtig zu machen scheinen?

Die Antwort liegt tiefer, in der faszinierenden Neurobiologie und Hormonsteuerung unseres Körpers. Erholsamer Tiefschlaf ist kein Zustand, den man erzwingen kann, sondern das Ergebnis einer präzise abgestimmten hormonellen Kaskade. Statt Ihnen nur eine weitere Liste mit Verhaltensregeln zu geben, wird dieser Artikel die Mechanismen dahinter beleuchten. Wir werden gemeinsam verstehen, wie Licht Ihre Hormone steuert, warum die Temperatur im Schlafzimmer entscheidender ist als gedacht und wie Sie Ihr Gehirn durch gezielte Rituale nachhaltig auf Erholung programmieren können. Denn nur wer die Ursachen versteht, kann die Kontrolle über seinen Schlaf wirklich zurückgewinnen und morgens erfrischt in den Tag starten.

Für alle, die einen schnellen visuellen Überblick bevorzugen, fasst das folgende Video die wichtigsten Störfaktoren für guten Schlaf zusammen und gibt erste praktische Tipps.

Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch die entscheidenden Faktoren, die Ihren Tiefschlaf beeinflussen. Anhand konkreter, wissenschaftlich fundierter Erklärungen lernen Sie, die Signale Ihres Körpers richtig zu deuten und Ihre Umgebung so zu gestalten, dass sie Ihre Regeneration optimal unterstützt.

Warum hält das Scrollen auf dem Handy Ihr Gehirn wach, obwohl Sie müde sind?

Dieses Phänomen, oft als „müde, aber verkabelt“ beschrieben, ist ein klassisches Beispiel dafür, wie moderne Technologie direkt in unsere Gehirnchemie eingreift. Das Problem ist zweigeteilt: Es betrifft sowohl die Lichtwirkung als auch eine psychologische Komponente. Das kurzwellige, blaue Licht, das von Smartphone-Displays ausgestrahlt wird, ist für unser Gehirn ein starkes Signal für „Tag“. Es unterdrückt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und fördert gleichzeitig die Produktion des Stresshormons Cortisol.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Viel entscheidender ist die psychologische Wirkung des endlosen Scrollens. Social-Media-Feeds, Nachrichten und kurze Videos sind so konzipiert, dass sie eine neuronale Belohnungsschleife in unserem Gehirn aktivieren. Jeder neue Post, jedes Like und jede überraschende Information führt zu einer winzigen Ausschüttung von Dopamin, einem Neurotransmitter, der mit Motivation und Vergnügen verbunden ist. Dieser Mechanismus hält das Gehirn in einem Zustand der Erwartung und kognitiven Aktivität, der dem Einschlafen diametral entgegensteht.

Die Psychiaterin Prof. Susanne Walitza beschreibt diesen Effekt treffend:

Beim endlosen Scrollen werden im Gehirn ähnliche Belohnungszentren aktiviert wie beim Genuss von etwas Süssem.

– Prof. Susanne Walitza, EU-Projekt zur Prävention von problematischem Internetkonsum

Diese ständige Stimulation führt nicht nur zu Einschlafproblemen. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften konnte nachweisen, dass eine hohe Smartphone-Nutzung zu signifikant erhöhten Cortisolwerten bei den Probanden führt. Dieser chronisch erhöhte Stresspegel stört nicht nur den Schlaf, sondern kann langfristig auch das Immunsystem schwächen. Ihr Gehirn bleibt im „Kampf-oder-Flucht“-Modus, obwohl Ihr Körper dringend Regeneration benötigt.

Wie dunkel muss das Zimmer sein, damit die Hormonproduktion startet?

Die kurze Antwort lautet: so dunkel wie nur irgend möglich. Für unser Gehirn, dessen grundlegende Mechanismen sich über Hunderttausende von Jahren entwickelt haben, ist Dunkelheit das unmissverständliche Signal, die Produktion des Schlafhormons Melatonin zu starten. Schon kleinste Lichtmengen können diesen Prozess empfindlich stören. Die lichtempfindlichen Zellen auf unserer Netzhaut sind so sensibel, dass sie selbst das Licht einer Standby-LED oder einer Straßenlaterne, die durch die Vorhänge scheint, registrieren.

Makroaufnahme von Lichtsensoren und ihre Wirkung auf die Melatoninproduktion

Diese Lichtreize signalisieren der Zirbeldrüse im Gehirn, dass es noch nicht Nacht ist, und hemmen die Melatoninausschüttung. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass hierfür keine Scheinwerfer nötig sind. Tatsächlich ist eine bis zu 50% Reduktion der Melatoninproduktion bereits durch minimale Lichtquellen mit einer Stärke von unter 5 Lux möglich. Zum Vergleich: Eine einzelne Kerze in einem Meter Entfernung erzeugt bereits etwa 1 Lux. Das Standby-Licht eines Fernsehers oder das Display eines Radioweckers kann diesen Schwellenwert leicht überschreiten.

Die Konsequenz ist eine verkürzte oder qualitativ verminderte Tiefschlafphase. Der Körper erreicht nicht das notwendige Level an Regeneration, was sich in morgendlicher Müdigkeit und Abgeschlagenheit äußert. Die optimale Schlafumgebung ist daher eine, in der Sie Ihre Hand nicht vor den Augen sehen können. Investitionen in verdunkelnde Vorhänge oder Rollos sind eine der effektivsten Maßnahmen zur Verbesserung der Schlafqualität. Ebenso sollten alle elektronischen Geräte mit Leuchtdioden aus dem Schlafzimmer verbannt oder deren Lichter sorgfältig abgeklebt werden.

Ritual oder Tablette: Was trainiert Ihr Gehirn nachhaltig auf Schlaf?

Während Schlafmittel kurzfristig eine Lösung sein können, adressieren sie nicht die Ursache der Schlafstörung. Sie können zudem zu Abhängigkeiten führen und die natürliche Schlafarchitektur stören. Ein nachhaltiger Ansatz, der von Schlafmedizinern empfohlen wird, ist die Etablierung eines festen Abendrituals. Der Mechanismus dahinter ist die klassische Konditionierung, ein Lernprozess, den schon der Forscher Iwan Pawlow bei seinen Hunden beobachtete.

Indem Sie jeden Abend eine feste Abfolge von beruhigenden Tätigkeiten durchführen, trainieren Sie Ihr Gehirn darauf, diese Handlungen mit dem bevorstehenden Schlaf zu assoziieren. Nach einigen Wochen konsequenter Anwendung wird allein der Beginn des Rituals ausreichen, um im Körper die für den Schlaf notwendigen Entspannungsprozesse einzuleiten. Das Gehirn lernt: „Aha, jetzt kommt die Tasse Tee, danach das Buch – es ist Zeit, herunterzufahren.“ Dies ist ein weitaus mächtigerer und gesünderer Mechanismus als die künstliche Sedierung durch eine Tablette.

Ein solches Ritual ist keine esoterische Übung, sondern ein neurobiologisch fundiertes Training. Es hilft, den Übergang vom aktiven Tagesgeschehen zur passiven Nachtruhe bewusst zu gestalten und dem Gehirn klare Signale zu senden. Die Tablette mag den Schalter umlegen, das Ritual aber lehrt das Gehirn, den Schalter von selbst zu finden.

Ihr Plan zur Etablierung eines wirksamen Schlafrituals

  1. Feste Zeit reservieren: Planen Sie jeden Abend 60-90 Minuten vor dem Schlafengehen exklusiv für Ihr Ritual ein.
  2. Körpertemperatur senken: Eine warme Dusche oder ein Bad kühlt den Körper beim Abtrocknen ab und signalisiert dem Gehirn Schlafenszeit.
  3. Licht dimmen: Schalten Sie auf gedimmtes, warmes Licht (unter 3000 Kelvin) um, um die Melatoninproduktion zu fördern.
  4. Beruhigendes Getränk: Bereiten Sie eine Tasse Kräutertee zu. Baldrian, Hopfen oder Passionsblume haben nachweislich beruhigende Effekte.
  5. Gedanken beruhigen: Führen Sie für 10-15 Minuten ein Dankbarkeitstagebuch oder lesen Sie in einem nicht aufwühlenden Buch (kein E-Reader mit Hintergrundbeleuchtung).

Die zu warme Heizung, die Ihren Körper an der nächtlichen Abkühlung hindert

Viele Menschen assoziieren ein warmes, kuscheliges Schlafzimmer mit Gemütlichkeit und gutem Schlaf. Aus schlafmedizinischer Sicht ist jedoch genau das Gegenteil der Fall. Eine der wichtigsten physiologischen Voraussetzungen für das Einleiten und Aufrechterhalten von Tiefschlaf ist das Absinken der Körperkerntemperatur. Dieser Prozess wird durch eine zu hohe Raumtemperatur aktiv behindert.

Weitwinkelaufnahme eines deutschen Schlafzimmers beim abendlichen Stoßlüften

Im Laufe des Abends gibt unser Körper über die Haut, insbesondere über Hände und Füße, Wärme an die Umgebung ab. Dadurch sinkt die Kerntemperatur um etwa 0,5 bis 1 Grad Celsius. Dieses Absinken ist ein entscheidendes Signal für das Gehirn, in die Tiefschlafphasen überzugehen. Ist die Umgebungstemperatur im Schlafzimmer jedoch zu hoch, kann der Körper diese überschüssige Wärme nicht effizient abgeben. Der Kühlprozess wird verlangsamt oder gestoppt, der Schlaf bleibt oberflächlich und unruhig.

Die ideale Schlaftemperatur ist individuell verschieden, doch die meisten Studien und Empfehlungen bewegen sich in einem kühlen Bereich. Das typisch deutsche Ritual des „Stoßlüftens“ vor dem Schlafengehen ist aus dieser Perspektive eine exzellente Angewohnheit. Es sorgt nicht nur für frische, sauerstoffreiche Luft, sondern kühlt auch den Raum effektiv auf eine schlaffördernde Temperatur herunter. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die empfohlenen Temperaturen.

Vergleich der empfohlenen Schlaftemperaturen
Altersgruppe Traditionelle Empfehlung Neue Harvard-Studie Energiespar-Tipp
Erwachsene unter 65 16-18°C 18-25°C möglich 17°C (Umweltbundesamt)
Erwachsene über 65 16-19°C 20-25°C optimal 18-20°C
Babys/Kleinkinder 18-19°C 18-19°C 18°C konstant

Wann hilft weißes Rauschen gegen Gedankenkreisen und wann stört es?

Für Menschen, deren Gedanken nachts nicht zur Ruhe kommen, kann eine konstante Geräuschkulisse eine wirksame Hilfe sein. Der Grundgedanke ist einfach: Ein monotones Geräusch wie weißes Rauschen (White Noise) kann plötzlich auftretende, störende Geräusche (eine knallende Tür, laute Nachbarn) maskieren. Das Gehirn gewöhnt sich an das konstante Rauschen und filtert es aus, wodurch die Wahrscheinlichkeit sinkt, durch unerwartete Lärmspitzen aus dem Schlaf gerissen zu werden. Es fungiert quasi als akustische Schutzmauer gegen das Gedankenkarussell.

Allerdings ist „Rauschen“ nicht gleich „Rauschen“. Während weißes Rauschen alle hörbaren Frequenzen mit gleicher Intensität enthält und für manche Ohren etwas scharf klingen kann, gibt es Alternativen, die sich als noch wirksamer erwiesen haben. Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf das sogenannte „rosa Rauschen“ (Pink Noise), das in den tieferen Frequenzen mehr Energie besitzt und als sanfter und natürlicher empfunden wird – ähnlich wie ein Wasserfall oder starker Regen.

Fallstudie: Rosa Rauschen zur Vertiefung des Schlafs

Eine iranische Studie untersuchte gezielt die Wirkung von rosa Rauschen auf die Schlafqualität. Die Ergebnisse zeigten, dass die akustische Stimulation während der Nacht die sogenannten „langsamen Oszillationen“ – Hirnwellen, die charakteristisch für den Tiefschlaf sind – signifikant verstärkte. Die Teilnehmer verbrachten mehr Zeit in den regenerativsten Schlafphasen und berichteten über eine verbesserte Gedächtnisleistung am nächsten Tag.

Eine weitere Option sind binaurale Beats. Dabei werden dem linken und rechten Ohr über Kopfhörer leicht unterschiedliche Frequenzen zugespielt. Das Gehirn erzeugt daraufhin eine dritte „Schwebungsfrequenz“, die der Differenz der beiden Töne entspricht. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Frequenzen im Delta-Bereich, dem 0,25 bis 4 Hz Frequenzbereich, die Hirnwellenaktivität in Richtung Tiefschlaf lenken können. Ob Rauschen oder Beats, die Wirksamkeit hängt stark von der individuellen Präferenz ab. Wichtig ist eine moderate Lautstärke, die als angenehm empfunden wird und nicht selbst zum Störfaktor wird.

Warum macht kaltweißes Licht im Wohnzimmer unruhig und stört den Schlaf?

Die schlafstörende Wirkung von Licht beschränkt sich nicht auf das Schlafzimmer oder die letzte Stunde vor dem Zubettgehen. Die Beleuchtung in unseren Wohnräumen während des gesamten Abends spielt eine ebenso entscheidende Rolle für die Regulierung unserer inneren Uhr (zirkadianer Rhythmus). Der entscheidende Faktor ist hierbei die Lichtfarbe, gemessen in Kelvin (K).

Tageslicht hat einen hohen Blauanteil und eine hohe Farbtemperatur (über 5000 K). Dieses „kaltweiße“ Licht signalisiert unserem Gehirn Aktivität und Wachheit. Es hemmt die Produktion von Melatonin sehr effektiv. Viele moderne LED-Lampen, insbesondere solche, die als „Tageslichtweiß“ oder „Kaltweiß“ deklariert sind, imitieren genau dieses Lichtspektrum. Wenn wir unsere Abende in einem solchen Licht verbringen, senden wir unserem Körper stundenlang das falsche Signal: „Es ist noch Tag, bleib wach!“.

Studien bestätigen, dass eine Lichtfarbe von >5000 Kelvin nachweislich die Melatoninproduktion hemmt, selbst bei moderater Helligkeit. Die Folge ist, dass die natürliche „hormonelle Dämmerung“, die den Körper auf den Schlaf vorbereiten sollte, ausbleibt oder sich stark verzögert. Wenn Sie dann ins (hoffentlich dunkle) Schlafzimmer gehen, muss der Körper diesen Prozess erst mühsam starten, was das Einschlafen erschwert.

Die Lösung liegt in einer bewussten Lichtplanung für den Abend. Anstatt auf kaltweißes Licht zu setzen, sollten Sie Leuchtmittel wählen, die dem warmen, rötlichen Licht eines Sonnenuntergangs oder eines Lagerfeuers nachempfunden sind. Hier sind konkrete Schritte für die Umsetzung:

  • Wohnräume: Wählen Sie für die Hauptbeleuchtung Leuchtmittel mit der Kennzeichnung „Warmweiß“ (unter 3300 K) für eine gemütliche Grundatmosphäre.
  • Abendstunden: Setzen Sie ab ca. 20 Uhr gezielt auf noch wärmeres Licht, idealerweise „Extra-Warmweiß“ unter 2700 K, zum Beispiel durch dimmbare Steh- oder Tischleuchten.
  • Bewusster Einkauf: Achten Sie beim Kauf von LED-Lampen im Baumarkt oder Fachgeschäft explizit auf den angegebenen Kelvin-Wert auf der Verpackung.
  • Smart-Home-Lösungen: Moderne Systeme (z.B. Philips Hue, Osram Lightify) ermöglichen ein „Human Centric Lighting“, bei dem sich die Lichtfarbe im Laufe des Tages automatisch von kaltweiß am Morgen zu warmweiß am Abend verändert.
  • Alternative für die letzte Stunde: Spezielle Rotlichtlampen können im Schlafzimmer als Leseleuchten dienen, da rotes Licht die Melatoninproduktion am wenigsten stört.

Wann hilft eine Tageslichtlampe, um morgens schneller wach zu werden?

Während wir abends Licht meiden sollten, ist es morgens unser wichtigster Verbündeter. Eine Tageslichtlampe ist ein medizinisches Gerät, das das volle Spektrum des Sonnenlichts mit einer sehr hohen Intensität (typischerweise 10.000 Lux) imitiert. Ihre Hauptfunktion ist nicht, den Raum zu erhellen, sondern ein starkes Signal an unsere innere Uhr zu senden, um den Tag zu beginnen. Sie wirkt quasi als künstlicher Sonnenaufgang.

Die Anwendung ist besonders wirksam in der dunklen Jahreszeit. In Deutschland, insbesondere von Oktober bis März, fehlt vielen Menschen das morgendliche Tageslicht, um ihren zirkadianen Rhythmus robust zu takten. Dies kann zu morgendlicher Antriebslosigkeit, gedrückter Stimmung und in ausgeprägten Fällen zur saisonal-affektiven Störung (SAD), auch Winterdepression genannt, führen. Eine morgendliche Lichttherapie kann hier präventiv und therapeutisch wirken.

Die Anwendung ist einfach und effektiv: Die Lampe wird morgens, idealerweise direkt nach dem Aufwachen während des Frühstücks oder beim Zeitunglesen, in einem Abstand von etwa 30-50 cm seitlich vom Gesicht platziert. Man muss nicht direkt hineinschauen. Der medizinisch empfohlene Standard für eine wirksame Lichttherapie ist eine Beleuchtungsstärke von 10.000 Lux für eine Dauer von 20-30 Minuten. Diese Dosis an hellem Licht unterdrückt die verbliebene Melatoninproduktion schlagartig und kurbelt die Ausschüttung von aktivierenden Hormonen wie Cortisol an. Das Ergebnis ist ein Gefühl von Wachheit und Energie.

Beim Kauf ist es entscheidend, auf Qualität zu achten. Eine wirksame Tageslichtlampe sollte als Medizinprodukt CE-gekennzeichnet sein, erkennbar an einer vierstelligen Nummer neben dem CE-Zeichen. Dies garantiert, dass das Gerät auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft wurde und einen UV-Filter besitzt. Die Anwendung am Abend ist kontraproduktiv, da sie das Einschlafen massiv stören würde. Die Lampe ist ein reines Morgenritual zur Stärkung des Schlaf-Wach-Zyklus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ihr Schlaf wird von Hormonen (Melatonin/Cortisol) gesteuert, die auf Licht, Dunkelheit und Temperatur reagieren.
  • Scrollen am Handy stört durch blaues Licht und eine Dopamin-Belohnungsschleife, die das Gehirn aktiv hält.
  • Nachhaltige Verbesserung kommt durch das „Training“ des Gehirns mittels fester Rituale (klassische Konditionierung), nicht durch kurzfristige Mittel.

Welche Achtsamkeits-App wird von der Krankenkasse bezahlt und hilft wirklich gegen Stress?

Wenn Stress und Gedankenkreisen die Hauptursache für Schlafprobleme sind, können digitale Gesundheitsanwendungen eine wertvolle, niederschwellige Unterstützung bieten. Im deutschen Gesundheitssystem gibt es hierfür zwei wesentliche Wege der Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen: zertifizierte Präventionskurse und verschreibungspflichtige Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), auch bekannt als „App auf Rezept“.

Apps wie 7Mind oder HelloBetter bieten oft Kurse an, die als Präventionskurs nach § 20 SGB V zertifiziert sind. Das bedeutet, der Versicherte bezahlt den Kurs zunächst selbst und kann sich die Kosten nach erfolgreichem Abschluss von seiner Krankenkasse ganz oder teilweise erstatten lassen. DiGAs wie somnio oder Selfapy hingegen werden von einem Arzt oder Psychotherapeuten per Rezept verordnet. Die Kosten werden dann zu 100 % von der Krankenkasse übernommen. Der entscheidende Vorteil dieser geprüften Anwendungen: Sie basieren meist auf den Prinzipien der Kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Diese Methode wird von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) als Goldstandard und erste Wahl bei der Behandlung von chronischen Schlafstörungen empfohlen, da ihre Wirksamkeit der von Schlafmitteln überlegen ist.

Diese Apps helfen, negative Gedankenmuster über den Schlaf zu durchbrechen, vermitteln Entspannungstechniken und optimieren die Schlafhygiene auf eine strukturierte, wissenschaftlich fundierte Weise. Die folgende Tabelle, basierend auf Informationen von Krankenkassen wie der Techniker Krankenkasse, gibt einen Überblick über einige in Deutschland verfügbare und erstattungsfähige Optionen.

Vergleich der Kostenübernahme für Schlaf-Apps durch Krankenkassen
App/Programm Art Kostenübernahme Voraussetzung
HelloBetter Schlafen Präventionskurs Bis 100% Erstattung Kursabschluss
somnio DiGA 100% auf Rezept Ärztliche Verschreibung
7Mind Präventionskurs Teil-Erstattung Kursabschluss + 12 Monate App-Zugang
Selfapy DiGA 100% auf Rezept Diagnose Depression/Angst

Die Nutzung einer solchen App kann ein entscheidender Schritt sein, um professionelle und wissenschaftlich fundierte Hilfe direkt auf Ihr Smartphone zu holen.

Die bewusste Gestaltung Ihrer Schlafumgebung und -gewohnheiten auf Basis dieser biologischen Prinzipien ist der nachhaltigste Weg zu erholsamen Nächten. Um die für Sie passende Strategie zu entwickeln, kann eine professionelle Analyse Ihrer individuellen Schlafsituation der nächste logische Schritt sein.

Häufige Fragen zur Verbesserung des Tiefschlafs

Warum ist Melatonin in Deutschland verschreibungspflichtig?

In Deutschland ist Melatonin in Dosierungen über 2 mg als Arzneimittel eingestuft und daher verschreibungspflichtig. Die zuständigen Behörden, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sehen Risiken bei einer unkontrollierten Langzeiteinnahme, da die hormonelle Wirkung den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen kann. Nahrungsergänzungsmittel mit geringeren Dosen sind frei verkäuflich.

Können pflanzliche Alternativen aus der Apotheke helfen?

Ja, Präparate mit Baldrian, Hopfen, Passionsblume oder Lavendel sind in Deutschland frei verkäuflich und haben in Studien eine moderate Wirksamkeit bei leichten bis mittleren Einschlafproblemen gezeigt. Sie wirken beruhigend und angstlösend, greifen aber weniger stark in die Schlafarchitektur ein als chemische Schlafmittel.

Wie lange dauert es, bis ein Schlafritual wirkt?

Der Prozess der klassischen Konditionierung, bei dem das Gehirn eine Routine als Schlafsignal verinnerlicht, benötigt in der Regel etwa zwei bis drei Wochen konsequenter und täglicher Anwendung. Geduld und Regelmäßigkeit sind hier entscheidend für den Erfolg.

Was ist der Unterschied zwischen einer DiGA und einem Präventionskurs?

Eine DiGA (Digitale Gesundheitsanwendung) ist eine „App auf Rezept“, die ärztlich verordnet und vollständig von der Krankenkasse bezahlt wird. Ein Präventionskurs ist ein zertifiziertes Angebot, dessen Kosten der Versicherte zunächst selbst trägt und nach Abschluss des Kurses eine (Teil-)Erstattung von seiner Krankenkasse beantragen kann.

Was ist der Vorteil der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT)?

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) empfiehlt die KVT-I (kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie) als erste Behandlungsmethode bei chronischen Schlafstörungen. Der Grund ist ihre hohe und nachhaltige Wirksamkeit: Sie setzt an den Ursachen der Schlafstörung an (z. B. falsche Schlafgewohnheiten, negative Gedanken), anstatt nur die Symptome zu unterdrücken.

Geschrieben von Hannah Fröhlich, Hannah Fröhlich ist Arbeitspsychologin (M.Sc.) und systemischer Coach mit Schwerpunkt auf Resilienz und mentale Gesundheit in der modernen Arbeitswelt. Sie begleitet Führungskräfte und Angestellte dabei, Burnout vorzubeugen und gesunde Grenzen zu setzen.