
Die Miete einer Photovoltaikanlage, oft als „sorglos“ beworben, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als Kostenfalle, die über 20 Jahre mehr als 30.000 € teurer sein kann als der Kauf.
- Der Wegfall der 19 % Mehrwertsteuer seit 2023 ist ein reiner Kaufvorteil, den Mieter nicht nutzen können.
- Die extrem niedrige Einspeisevergütung macht einen Batteriespeicher zur wirtschaftlichen Notwendigkeit, dessen Kosten im Mietmodell überproportional steigen.
- Die Gesamtkosten einer Mietanlage übersteigen die eines gekauften Systems inklusive Wartung und Finanzierung um ein Vielfaches.
Empfehlung: Analysieren Sie vor jeder Entscheidung die Gesamtkosten über die gesamte Laufzeit von 20 Jahren. Eine anfängliche Null-Investition bei der Miete wird oft mit langfristig drastisch höheren Ausgaben bezahlt.
Die Vorstellung, eigenen, sauberen Strom auf dem Dach zu produzieren, ist für viele Hausbesitzer in Deutschland verlockender denn je. Doch sofort stellt sich die Gretchenfrage der Finanzierung: Soll man die Photovoltaikanlage mieten oder kaufen? Anbieter von Mietmodellen wie Enpal versprechen ein Rundum-sorglos-Paket ohne anfängliche Investitionskosten. Es klingt nach einer einfachen und sicheren Lösung in Zeiten steigender Zinsen und unsicherer Märkte.
Doch diese Einfachheit hat ihren Preis – und der ist oft höher, als es auf den ersten Blick scheint. Während die Werbebotschaften die Bequemlichkeit in den Vordergrund stellen, bleiben die langfristigen finanziellen Konsequenzen oft im Kleingedruckten verborgen. Die landläufige Meinung, dass Mieten eine clevere Alternative zum teuren Kauf sei, hält einer kühlen, rechnerischen Analyse oft nicht stand. Vor allem seit dem Wegfall der Mehrwertsteuer für den Kauf von PV-Anlagen hat sich die finanzielle Landschaft entscheidend verschoben.
Dieser Artikel bricht mit den Marketing-Mythen und nimmt die Perspektive eines objektiven Finanzberaters ein. Statt oberflächlicher Vor- und Nachteile zu listen, tauchen wir tief in die Vertragsmechanismen und Schattenkosten ein. Wir quantifizieren den tatsächlichen Preisunterschied über 20 Jahre, analysieren die Rentabilität von Batteriespeichern bei mageren Einspeisevergütungen und decken auf, welche technischen und baulichen Hürden oft übersehen werden. Das Ziel ist es, Ihnen eine solide, faktenbasierte Grundlage zu liefern, um die für Sie wirtschaftlich sinnvollste Entscheidung zu treffen – frei von Werbeversprechen.
Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, beleuchten wir die entscheidenden Faktoren Schritt für Schritt. Von der reinen Kostenrechnung über technische Voraussetzungen bis hin zu den Fallstricken bei der Kombination mit einer Wärmepumpe – dieser Leitfaden deckt alle relevanten Aspekte für Ihre Entscheidung ab.
Inhaltsverzeichnis: Miete vs. Kauf – Die entscheidenden Faktoren im Detail
- Warum zahlen Sie bei Enpal & Co. auf 20 Jahre oft 10.000 € mehr als beim Kauf?
- Batteriespeicher oder Netz: Was rentiert sich bei 8 Cent Vergütung wirklich?
- Wie sparen Sie sich seit 2023 die Umsatzsteuer auf PV-Anlagen unter 30 kWp?
- Die Gefahr, dass Ihr altes Dach die Last der Module nicht trägt
- Wann mindert Blütenstaub den Ertrag so stark, dass sich eine professionelle Reinigung lohnt?
- Wann wird die Wärmepumpe zur Stromfalle und wie erkennen Sie das vorher?
- Wann ist ein Ökostromtarif wirklich „grün“ und kein Mogelpaket?
- Welche Wärmepumpe funktioniert auch in ungedämmten Häusern effizient?
Warum zahlen Sie bei Enpal & Co. auf 20 Jahre oft 10.000 € mehr als beim Kauf?
Der Kernunterschied zwischen Miete und Kauf liegt in den Gesamtkosten über die Vertragslaufzeit von 20 Jahren. Während das Mietmodell mit null Euro Anschaffungskosten lockt, summieren sich die monatlichen Raten zu einer beträchtlichen Summe, die die Kosten eines Kaufs bei Weitem übersteigt. Die rechnerische Nüchternheit offenbart schnell, dass die Bequemlichkeit der Miete ein teures Gut ist. Selbst wenn man einen Kredit für den Kauf aufnimmt, dessen Zinsen aktuell zwischen 3,48% bis 10,78% beim KfW 270 Programm liegen können, ist die Gesamtkalkulation meist vorteilhafter.
Praxisbeispiel: Echte Kundenerfahrung mit Mietkosten
Ein Kunde berichtet von seinen Erfahrungen, die den Kostenunterschied verdeutlichen: „Ich hatte ein Angebot von Enpal für 92 € in den ersten 2 Jahren und 111 € für die restlichen 18 Jahre. Nach dem Kauf einer lokalen PV-Anlage spare ich gegenüber dem Enpal-Angebot auf die Laufzeit gerechnet über 10.000 €.“ Dieses Beispiel zeigt, dass der anfängliche Verzicht auf eine Investition langfristig zu erheblichen Mehrkosten führt.
Die folgende Gegenüberstellung macht die Dimension des Unterschieds deutlich. Sie basiert auf einer Beispielrechnung für eine durchschnittliche Anlage und zeigt, wie sich die Kosten über 20 Jahre entwickeln. Während die Miete auf den ersten Blick attraktiv wirkt, verwandelt sie sich über die Zeit in eine erhebliche finanzielle Belastung, wie eine detaillierte Kostenanalyse zeigt.
| Kostenposition | Miete (20 Jahre) | Kauf | Differenz |
|---|---|---|---|
| Anschaffungskosten | 0 € | 18.000 € | -18.000 € |
| Monatliche Rate/Kosten | 243 € | 0 € | +243 € |
| Gesamtkosten nach 20 Jahren | 58.320 € | ca. 25.000 € | +33.320 € |
| Wartung & Versicherung | Inklusive | ca. 5.000 € | -5.000 € |
| Mehrwertsteuer-Ersparnis | Keine | -3.420 € | +3.420 € |
| Nettokosten | 58.320 € | 26.580 € | +31.740 € |
Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Das Mietmodell kann mehr als doppelt so teuer sein wie der Kauf, selbst wenn man Wartungs- und Versicherungskosten beim Kauf einrechnet. Der Grund liegt in den eingepreisten Margen und Finanzierungskosten der Vermieter, die der Kunde über die monatlichen Raten abbezahlt.
Batteriespeicher oder Netz: Was rentiert sich bei 8 Cent Vergütung wirklich?
Die Entscheidung für oder gegen einen Batteriespeicher ist heute keine Luxusfrage mehr, sondern eine knallharte wirtschaftliche Notwendigkeit. Der Grund dafür ist die drastisch gesunkene Einspeisevergütung. Während man früher für ins Netz eingespeisten Strom gutes Geld bekam, liegt der Satz heute oft unter dem, was man für Netzstrom bezahlt. Eine aktuelle Prognose zeigt, dass die Einspeisevergütung im Dezember 2025 bei nur 7,87 Cent pro kWh liegen wird. Demgegenüber stehen Strompreise von 30 Cent und mehr.
Ein Batteriespeicher ermöglicht es, den tagsüber produzierten, überschüssigen Solarstrom zu speichern und ihn abends oder nachts selbst zu verbrauchen. Dadurch steigt der Eigenverbrauchsanteil massiv an – von typischerweise 30 % ohne Speicher auf bis zu 70-80 % mit Speicher. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den teuren Zukauf von Netzstrom. Der Speicher wird so zum zentralen Renditehebel der gesamten Anlage.
Die Visualisierung eines modernen Speichersystems macht deutlich, dass es sich hierbei um eine hochentwickelte Technologie handelt, die den Energiefluss im Eigenheim intelligent steuert.

Angesichts dieser Fakten stellt sich nicht mehr die Frage, *ob* ein Speicher sinnvoll ist, sondern wie er am besten finanziert wird. Bei Mietmodellen ist der Speicher oft ein teurer Zusatzposten, der die monatliche Rate weiter in die Höhe treibt. Beim Kauf kann er direkt mitfinanziert und die Anschaffung durch den Wegfall der Mehrwertsteuer vergünstigt werden. Folgende Punkte sind bei der Entscheidung für einen Speicher entscheidend:
- Maximierung des Eigenverbrauchs: Ein Speicher ist der Schlüssel, um den teuren Netzstrombezug zu minimieren und die Rentabilität der PV-Anlage zu sichern.
- Ladung für E-Autos: Wer ein Elektroauto besitzt, kann dieses über Nacht mit dem eigenen, günstigen Solarstrom aus dem Speicher laden – ein enormer Kostenvorteil.
- Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit: Ein Speicher bietet ein höheres Maß an Unabhängigkeit vom öffentlichen Netz und kann bei Stromausfällen eine Notstromversorgung gewährleisten.
- Nachrüstbarkeit: Sogenannte AC-gekoppelte Speicher können auch bei bestehenden Anlagen (selbst bei Mietanlagen) unkompliziert nachgerüstet werden.
Letztlich läuft die Kalkulation darauf hinaus: Die Ersparnis durch den Eigenverbrauch übersteigt die geringe Einnahme durch die Einspeisung bei Weitem. Ein Verzicht auf den Speicher bedeutet, wertvollen Solarstrom für wenige Cent zu „verschenken“, nur um später teuren Strom zurückkaufen zu müssen.
Wie sparen Sie sich seit 2023 die Umsatzsteuer auf PV-Anlagen unter 30 kWp?
Einer der größten finanziellen Game-Changer der letzten Jahre für potenzielle PV-Anlagen-Besitzer war eine Gesetzesänderung zum 1. Januar 2023. Seit diesem Datum gilt für die Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen und deren wesentlichen Komponenten – wie Batteriespeicher – ein Nullsteuersatz. Das bedeutet konkret: Beim Kauf einer Anlage bis 30 kWp Leistung sparen Sie sich die kompletten 19 Prozent Mehrwertsteuer. Bei einer Anlage für 18.000 € netto entspricht das einer direkten Ersparnis von 3.420 €.
Dieser Vorteil gilt jedoch ausschließlich für den Kauf. Mietmodelle sind von dieser Regelung ausgenommen, da es sich hierbei um eine Dienstleistung und nicht um einen Warenkauf handelt. Die Mietanbieter kaufen die Anlagen zwar selbst steuerfrei ein, geben diesen Vorteil aber in der Regel nicht an die Endkunden weiter. Stattdessen wird er zur Steigerung der eigenen Marge genutzt. Dies vergrößert die finanzielle Kluft zwischen Miete und Kauf noch weiter. Der Kauf wird durch den Wegfall der Steuer direkt um 19 % günstiger, während die Mietkosten unverändert hoch bleiben.
Der Branchenexperte 1KOMMA5° fasst diesen entscheidenden Punkt in seinem Faktencheck klar zusammen:
Ein entscheidender Vorteil beim Kauf von Photovoltaik ist, dass du von der Mehrwertsteuer auf die Anschaffung, Lieferung und Installation befreit bist.
– 1KOMMA5°, Solaranlage mieten oder kaufen? Mythen im Faktencheck
Diese Regelung vereinfacht nicht nur die Anschaffung erheblich, da die frühere, komplizierte Rückerstattung über das Finanzamt entfällt, sondern sie stellt auch einen direkten, staatlich geförderten Rabatt auf den Kauf dar. Jeder, der ein Mietangebot prüft, sollte diesen entgangenen Vorteil von 19 % in seine Kalkulation als versteckte Kosten des Mietmodells einbeziehen.
Somit ist klar: Die Entscheidung für die Miete bedeutet den bewussten Verzicht auf eine erhebliche, vom Staat gewährte Ersparnis, die den Kauf einer Anlage so attraktiv wie nie zuvor macht.
Die Gefahr, dass Ihr altes Dach die Last der Module nicht trägt
Bevor man sich über Finanzierungsmodelle Gedanken macht, steht eine grundlegende technische Prüfung an: Ist das Dach überhaupt für eine Photovoltaikanlage geeignet? Dieser Punkt wird oft unterschätzt und kann ein Projekt schnell zum Scheitern bringen oder unerwartete Kosten verursachen. Eine PV-Anlage bringt ein erhebliches Gewicht mit sich, und nicht jede Dachkonstruktion, insbesondere bei Altbauten, ist dafür ausgelegt.
Die Dachbeschaffenheit, das Material und vor allem die Statik sind entscheidend. Während moderne Dächer mit Standard-Pfannendeckung meist unproblematisch sind, können ältere Dachstühle oder spezielle Eindeckungen zu einer echten Herausforderung werden. Die Prüfung der Statik durch einen Fachmann ist bei älteren Gebäuden oft unerlässlich und kann Kosten von 500 bis 1.500 € verursachen, die im Budget eingeplant werden müssen.

Besonders kritisch wird es bei bestimmten Materialien. Ein häufiges Problem, das oft zur Ablehnung von Installationsanfragen führt, sind Dächer mit speziellen Deckungen wie Eternit-Schiefer. Diese erfordern eine Sonderbefestigung, die die Installationskosten erheblich in die Höhe treibt.
Praxisbeispiel: Ablehnung wegen ungeeigneter Dacheindeckung
Ein Hausbesitzer berichtet in einem Forum von seiner Erfahrung: „Meine Anfrage wurde abgelehnt, da ich ein Dach mit Eternit-Schieferdeckung habe. Das System setzt normale Pfannendeckung voraus. Bei mir wäre eine Sonderbefestigung erforderlich, was die Angelegenheit wesentlich verteuern würde.“ Dieser Fall zeigt, dass die Eignung des Daches eine absolute Grundvoraussetzung ist, die vor allen weiteren Planungen geklärt werden muss.
Neben der Statik spielt auch der Flächenbedarf eine Rolle. Pro Kilowattpeak (kWp) Leistung benötigt man etwa 8-10 m² freie Dachfläche, idealerweise unverschattet und mit südlicher Ausrichtung. Eine sorgfältige Prüfung vorab bewahrt vor bösen Überraschungen und stellt sicher, dass die geplante Anlage auch den erwarteten Ertrag liefern kann.
Unabhängig davon, ob Sie mieten oder kaufen: Ein ungeeignetes Dach beendet das Projekt, bevor es begonnen hat. Eine frühzeitige, ehrliche Einschätzung durch einen unabhängigen Experten ist daher Gold wert.
Wann mindert Blütenstaub den Ertrag so stark, dass sich eine professionelle Reinigung lohnt?
Das „Rundum-sorglos-Paket“ der Mietanbieter inkludiert oft auch die Wartung und Reinigung der Anlage. Doch ist eine professionelle Reinigung wirklich so oft nötig und rechtfertigt sie die hohen Mietkosten? Die Antwort hängt stark von der Neigung des Daches und den lokalen Umweltbedingungen ab. Insbesondere im Frühling kann starker Blütenstaub die Module mit einem gelben Film überziehen und den Ertrag mindern. Aber ab wann ist der Leistungsverlust so hoch, dass sich eine teure Reinigung rechnet?
Die gute Nachricht zuerst: In den meisten Fällen sorgt der Regen für eine ausreichende Selbstreinigung. Insbesondere bei Dächern mit einer Neigung von über 30 Grad werden Staub, Pollen und anderer Schmutz effektiv abgewaschen. Eine professionelle Reinigung ist hier nur selten wirtschaftlich sinnvoll. Anders sieht es bei sehr flachen Dächern aus. Hier kann sich Schmutz leichter festsetzen und den Ertrag über die Zeit spürbar reduzieren.
Eine professionelle Reinigung ist nicht billig. In Deutschland kostet diese je nach Zugänglichkeit und Verschmutzungsgrad etwa 2-3 € pro Quadratmeter Modulfläche. Bevor man diesen Betrag investiert, sollte man den tatsächlichen Leistungsverlust prüfen. Die meisten modernen Wechselrichter bieten ein Monitoring, über das sich die Leistung der Anlage genau verfolgen lässt. Ein spürbarer, unerklärlicher Leistungsabfall von mehr als 15 % kann ein Indikator für starke Verschmutzung sein. Eine einfache Faustregel hilft bei der Entscheidung:
- Bei Dachneigung über 30°: Die Selbstreinigung durch Regen ist meist ausreichend. Eine jährliche Reinigung ist in der Regel unwirtschaftlich.
- Bei Neigung unter 15°: Hier kann sich Schmutz ansammeln. Eine jährliche Sichtprüfung nach dem Pollenflug im Frühjahr ist ratsam und eine Reinigung kann sinnvoll sein.
- Leistungs-Monitoring: Beobachten Sie die Ertragswerte über den Wechselrichter. Erst bei einem signifikanten Leistungsabfall von über 15 % im Vergleich zu Vorjahreswerten sollte eine Reinigung ernsthaft in Erwägung gezogen werden.
- Sichtprüfung: Nach extremen Wetterereignissen oder starkem Pollenflug (April-Mai) genügt oft ein Blick mit dem Fernglas, um grobe Verschmutzungen wie festsitzendes Laub oder Vogelkot zu erkennen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Verkaufsargument der „inkludierten Reinigung“ bei Mietmodellen oft mehr Schein als Sein ist. Für die meisten Dächer in Deutschland ist eine professionelle Reinigung selten notwendig und die Kosten dafür rechtfertigen keinesfalls die massiven Mehrkosten des Mietmodells über 20 Jahre.
Wann wird die Wärmepumpe zur Stromfalle und wie erkennen Sie das vorher?
Die Kombination aus Photovoltaikanlage und Wärmepumpe gilt als Traumpaar der Energiewende im Eigenheim. Der selbst produzierte Solarstrom betreibt die Heizung – eine potenziell unschlagbare Kombination. Doch Vorsicht: Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, kann die Wärmepumpe schnell zur Stromfalle werden und die Stromrechnung in die Höhe treiben, anstatt sie zu senken. Der entscheidende Faktor ist die Effizienz der Wärmepumpe, gemessen an der Jahresarbeitszahl (JAZ).
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viele Einheiten Wärme die Pumpe aus einer Einheit Strom erzeugt. Eine JAZ von 4 bedeutet, dass aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärmeenergie entstehen. Je höher die JAZ, desto effizienter und sparsamer arbeitet die Pumpe. Eine niedrige JAZ bedeutet hingegen einen hohen Stromverbrauch. Die Effizienz hängt stark von zwei Faktoren ab: der Dämmung des Hauses und der Art der Heizkörper, die eine bestimmte Vorlauftemperatur benötigen.
In einem gut gedämmten Neubau mit Fußbodenheizung kann eine Wärmepumpe leicht eine JAZ von 4,5 oder mehr erreichen und ist extrem wirtschaftlich. In einem ungedämmten Altbau mit alten Heizkörpern, die hohe Vorlauftemperaturen von 60-70°C benötigen, kann die JAZ auf unter 3 fallen. Dann wird die Wärmepumpe zum reinen Stromfresser. Die folgende Tabelle verdeutlicht den Zusammenhang zwischen JAZ und Stromkosten bei einem angenommenen Wärmebedarf von 4.000 kWh und einem Strompreis von 35 Cent/kWh.
| JAZ-Wert | Stromverbrauch (4.000 kWh Wärme) | Jährliche Stromkosten | Wirtschaftlichkeit |
|---|---|---|---|
| 2,5 | 1.600 kWh | 560 € | Unwirtschaftlich |
| 3,5 | 1.143 kWh | 400 € | Grenzwertig |
| 4,5 | 889 kWh | 311 € | Sehr gut |
Wie erkennt man nun *vorher*, ob eine Wärmepumpe im eigenen Haus effizient laufen wird? Ein einfacher Test ist, an einem kalten Wintertag die Vorlauftemperatur der bestehenden Heizung testweise auf 55°C zu senken. Wird das Haus immer noch angenehm warm, sind die Voraussetzungen für eine effizient arbeitende Wärmepumpe gut. Bleibt es kühl, sind wahrscheinlich erst Dämmmaßnahmen oder der Austausch von Heizkörpern nötig, bevor sich der Einbau lohnt.
Ohne eine realistische Einschätzung der zu erwartenden JAZ ist die Investition in eine Wärmepumpe ein Glücksspiel. Eine sorgfältige Analyse des Gebäudes und des Heizsystems ist daher unerlässlich, um die vermeintliche Traumpaarung nicht in einem finanziellen Albtraum enden zu lassen.
Wann ist ein Ökostromtarif wirklich „grün“ und kein Mogelpaket?
Für Hausbesitzer, deren Dach aus statischen oder baulichen Gründen (noch) nicht für eine eigene PV-Anlage geeignet ist, stellt sich oft die Frage nach Alternativen. Ein Ökostromtarif scheint die naheliegende Lösung zu sein, um dennoch einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Doch nicht jeder Tarif, der als „grün“ oder „öko“ beworben wird, fördert auch tatsächlich den Ausbau erneuerbarer Energien. Viele Anbieter betreiben sogenanntes „Greenwashing“ mit Zertifikaten, die keine reale Veränderung bewirken.
Der Schlüssel zur Unterscheidung liegt in den sogenannten Herkunftsnachweisen (HKN) und vertrauenswürdigen Gütesiegeln. HKN sind Zertifikate, die belegen, dass eine bestimmte Menge Strom aus erneuerbaren Quellen ins Netz eingespeist wurde. Ein Anbieter kann einfach HKN von alten Wasserkraftwerken in Skandinavien kaufen und seinen Graustrom damit „grün waschen“, ohne einen einzigen Cent in neue Anlagen zu investieren. Echter Ökostrom sollte jedoch den Neubau von Wind- und Solarparks fördern.
Wirklich „grüne“ Tarife erkennt man an Gütesiegeln wie dem „ok-power“-Label oder dem „Grüner Strom Label“. Diese Siegel garantieren, dass der Anbieter einen signifikanten Teil seiner Einnahmen direkt in den Bau neuer erneuerbarer Energieanlagen investiert. Nur so wird ein echter Mehrwert für die Energiewende geschaffen. Finanziell bleibt die eigene Stromproduktion jedoch unschlagbar. Während selbst erzeugter Solarstrom nur 10-15 Cent pro kWh kostet, liegen die Preise für Netzstrom bei 20-60 Cent, auch bei vielen Ökostromtarifen.
Ein Ökostromtarif ist also eine gute Übergangslösung oder eine Alternative für Mieter, aber er kann die wirtschaftlichen Vorteile einer eigenen PV-Anlage nicht ersetzen. Er dient dem Gewissen, aber nicht direkt dem Geldbeutel. Wer die Möglichkeit hat, sollte immer die Installation einer eigenen Anlage prüfen, da dies die bei Weitem rentabelste und wirkungsvollste Option ist.
Letztendlich bleibt festzuhalten: Während ein zertifizierter Ökostromtarif eine gute ethische Wahl ist, stellt er aus finanzieller Sicht keinen Ersatz für die Unabhängigkeit und die niedrigen Gestehungskosten von selbst erzeugtem Solarstrom dar.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Gesamtkosten einer gemieteten PV-Anlage sind über 20 Jahre oft mehr als doppelt so hoch wie die eines Kaufs, was einer Differenz von über 30.000 € entsprechen kann.
- Der Wegfall der 19 % Mehrwertsteuer seit 2023 ist ein massiver Kaufvorteil, den Mieter nicht nutzen können und der die finanzielle Schere weiter öffnet.
- Aufgrund der niedrigen Einspeisevergütung ist ein Batteriespeicher zur Maximierung des Eigenverbrauchs wirtschaftlich unerlässlich, was die Rentabilität des Kaufs weiter stärkt.
Welche Wärmepumpe funktioniert auch in ungedämmten Häusern effizient?
Die Effizienz einer Wärmepumpe in einem ungedämmten Altbau ist eine der meistdiskutierten und kritischsten Fragen bei der energetischen Sanierung. Die landläufige Meinung besagt, dass Wärmepumpen nur in modernen, gut gedämmten Häusern mit Fußbodenheizung wirtschaftlich arbeiten. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Dank technologischer Fortschritte gibt es mittlerweile sogenannte Hochtemperatur-Wärmepumpen, die speziell für den Einsatz in Bestandsgebäuden konzipiert sind.
Diese modernen Geräte können Vorlauftemperaturen von bis zu 70°C erreichen und somit auch mit älteren, kleineren Heizkörpern (sogenannten Radiatoren) betrieben werden, ohne dass ein kompletter Austausch des Heizsystems notwendig ist. Die Effizienz, gemessen an der Jahresarbeitszahl (JAZ), ist in einem solchen Szenario zwar niedriger als im Neubau, kann aber immer noch im wirtschaftlichen Bereich liegen.
Praxis-Szenario: Hochtemperatur-Wärmepumpe im Altbau
Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen können auch bei kälteren Außentemperaturen Vorlauftemperaturen von 70°C für alte Heizkörpersysteme bereitstellen. In einem typischen Altbau-Szenario kann so eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von etwa 2,8 bis 3,2 erreicht werden. Bei aktuellen Strompreisen und in Kombination mit einer PV-Anlage kann dies bereits eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative zum alten Öl- oder Gaskessel sein, insbesondere wenn staatliche Förderungen in Anspruch genommen werden.
Ob das eigene Haus ohne teure Sanierung für eine Wärmepumpe geeignet ist, lässt sich mit einer einfachen Überprüfung der vorhandenen Heizkörper feststellen. Dieser Check gibt eine erste, aber wichtige Indikation über die Machbarkeit.
Ihr Aktionsplan: Heizkörper-Check für die Wärmepumpen-Eignung
- Heizkörpertypen identifizieren: Überprüfen Sie Ihre Heizkörper. Haben Sie bereits moderne Plattenheizkörper vom Typ 22 (zwei Platten, zwei Konvektorbleche) oder Typ 33? Diese haben eine größere Oberfläche und eignen sich oft auch für niedrigere Vorlauftemperaturen.
- Testlauf durchführen: Stellen Sie an einem kalten Wintertag (unter 0°C) die Vorlauftemperatur Ihrer aktuellen Heizung manuell auf 55°C ein. Drehen Sie alle Thermostate voll auf. Wird das Haus über mehrere Stunden angenehm warm, sind die Heizkörper wahrscheinlich wärmepumpentauglich.
- Hybrid-System als Option prüfen: Falls der Testlauf scheitert, könnte ein Hybrid-System die Lösung sein. Hier übernimmt die Wärmepumpe die Grundlast und der alte Heizkessel schaltet sich nur an extrem kalten Tagen zur Spitzenlastabdeckung dazu.
- Fördermöglichkeiten analysieren: Prüfen Sie die aktuellen Förderprogramme von KfW und BAFA. Der Staat fördert den Einbau von Wärmepumpen auch im Altbau mit hohen Zuschüssen, was die Investition deutlich attraktiver macht.
- Fachberatung einholen: Lassen Sie das Ergebnis Ihrer Prüfung von einem unabhängigen Energieberater validieren. Er kann den Heizbedarf exakt berechnen und eine fundierte Empfehlung abgeben.
Um die Weichen für eine zukunftssichere und kosteneffiziente Energieversorgung zu stellen, ist eine fundierte, auf Zahlen basierende Entscheidung unerlässlich. Analysieren Sie Ihre persönliche Situation, berechnen Sie die Gesamtkosten und lassen Sie sich nicht von kurzfristigen Versprechen blenden, um die für Ihr Eigenheim optimale Lösung zu finden.
Häufige Fragen zu Solarenergie-Modelle für Eigenheime
Was sind Herkunftsnachweise (HKN)?
Herkunftsnachweise sind elektronische Zertifikate, die belegen, aus welchen erneuerbaren Quellen (z.B. Wind, Wasser, Sonne) eine bestimmte Menge Strom erzeugt wurde. Sie machen die Herkunft von Ökostrom nachvollziehbar und können im Herkunftsnachweisregister des Umweltbundesamtes in Deutschland geprüft werden.
Welche Gütesiegel für Ökostrom sind vertrauenswürdig?
Besonders vertrauenswürdig sind die Siegel „ok-power“ und „Grüner Strom Label“. Im Gegensatz zu reinen Herkunftsnachweisen garantieren diese Siegel, dass der Stromanbieter aktiv in den Neubau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien investiert und somit einen echten Beitrag zur Energiewende leistet.
Wann ist Ökostrom eine sinnvolle Alternative zu einer eigenen PV-Anlage?
Ein zertifizierter Ökostromtarif ist vor allem eine sinnvolle Übergangslösung oder Dauerlösung für Hausbesitzer und Mieter, deren Dach aus statischen, denkmalschutzrechtlichen oder baulichen Gründen (noch) nicht für eine eigene Photovoltaikanlage geeignet ist.